Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin, Deutschland

Kapitel 17: Isabelle Charlotte, Prinzessin von Nassau-Diez und Christian, Fürst von Nassau-Dillenburg

Eine Dame und ein Ritter vom »Orden der Treue«

Sieben Schwestern hat Friso, Prinz von Oranien. Für jede von ihnen will ein Bräutigam gefunden sein, der etwas hermacht. Daher setzt Mutter Amalie alle Hebel in Bewegung und schaut sich unter adligen Heiratskandidaten um. Für ihre älteste Tochter Henriette (1686–1754) fällt ihr Auge auf den preußischen Kronprinzen, den späteren König Friedrich Wilhelm I. Doch letztlich kommt diese Verbindung nicht zustande, die Prinzessin bleibt unverheiratet.

Es folgt eine noch größere Enttäuschung: Tochter Sophie kehrt nach ihrer Heirat binnen zwei Jahren wieder zurück an den Hof der Mutter ( Kapitel 16). Für die anderen Schwestern sind die Aussichten alles andere als vielversprechend. So bleiben sie vorläufig bei ihrer Mutter auf Schloss Oranienstein in Diez.

Als Isabelle (1692–1757) achtzehn ist, stiftet ihre Mutter den »Orden der Treue« (l‘Ordre de la fidélité) als nassauischen Hausorden, um damit Familienangehörige für ihre Verdienste belohnen zu können. Als Zeichen der Hochachtung wird der Orden Isabelle, ihren sechs Schwestern sowie »Freunden und Dienern« (also: Mitgliedern der Hofhaltung) verliehen. Ordenssprache ist, wie in adligen Kreisen üblich, Französisch, und die Mitglieder werden »Dame« oder »Chevalier« (Ritter) genannt. 1710 werden die ersten Mitglieder ernannt, unter ihnen Christian von Nassau-Dillenburg, Alexander Franz (letzter) Fürst von Nassau-Hadamar und dessen Frau Elisabeth von Hessen-Rheinfels. Bei der sechsten »Promotion« (Aufnahmerunde) im Jahre 1712 wird die französische Gouvernante der Prinzessinnen aufgenommen, die Marquise de Sainte-Maurice-née de Château Vieux.

Familienporträt von Amalie von Nassau-Diez mit ihrem einzigen Sohn Friso sowie ihren sieben Töchtern Henriette Albertine, Marie Amalie, Sophie, Isabelle, Johanna, Luise Leopoldine und Casimira, allesamt, wie es damals Mode war, mit hochgestecktem Haar und kostbaren Juwelen. (Lancelot Volders, um 1700, 233,5 x 328 cm, Königliche Sammlungen, Den Haag)

Endlich verheiratet – aber nicht glücklich

Letztendlich gelingt es nicht, die Schwestern aus dem Hause Nassau an den Mann zu bringen – mit Ausnahme von Isabelle. Mit 33 Jahren heiratet sie im April 1725 in Schloss Oranienstein den ihr aus dem Orden bekannten Chevalier Christian von Nassau-Dillenburg (1688–1739). Dieser ist mittlerweile regierender Fürst, da er sieben Monate zuvor seinem älteren Bruder nachgefolgt ist. Er ist das einzige und letzte Mitglied der Linie Nassau-Dillenburg, weshalb ein Erbe (und damit Thronfolger) dringend erwünscht ist. Erfreulicherweise ist die neue Fürstin schon bald in gesegneten Umständen. Sie bringt einen Sohn zur Welt, doch der zu früh geborene Nachkömmling stirbt schon bald nach der Geburt, die allgemeine Bestürzung ist groß. Nicht zuletzt hierdurch kommt es zu einer Zerrüttung der Ehe, die kinderlos bleibt. Aber auch Geldstreitigkeiten belasten das Verhältnis. Die Finanzen der fürstlichen Familie befinden sich, auch wegen hoher Schulden, in einem beklagenswerten Zustand.

Christian versucht deshalb, die schwache Wirtschaft seines Fürstentums anzukurbeln, indem er den traditionell so gewinnträchtigen Kupfererzbergbau wiederbelebt. Er unterstützt den Unternehmer Theodor Heusler beim Aufbau einer Kupferhütte, auf seinem eigenen Grund und Boden lässt er einen Hochofen errichten, den er 1728 Isabelle schenkt. Seitdem spricht man von der Isabellenhütte. Unter dem Namen Isabellenhütte-Heusler besteht sie bis heute. Sie ist damit das älteste Industrieunternehmen Hessens, die erste urkundliche Erwähnung datiert von 1482.

Unterdessen gehen die Ehestreitigkeiten weiter. Als Isabelle es eines Tages nicht mehr aushält, verlässt sie das fürstliche Schloss. Nach Christians Tod 1739 stellt man ihr, wie seinerzeit üblich, einen Vormund zur Seite. In der damaligen Zeit ist es nicht vorgesehen, dass Frauen selbst über ihr Leben bestimmen, und so muss Isabelle von nun an alles mit ihrem Vetter Wilhelm IV. besprechen, der zu ihrem Vormund bestimmt wird. In der Korrespondenz mit ihm geht es, wenig verwunderlich angesichts ihres Hangs zu Luxus, vor allem um ihre notorischen Geldsorgen. Über ihre Grabstätte entscheidet sie jedoch allein: sie lässt sich nicht bei Christian in Dillenburg beisetzen, sondern in der von ihr gebauten Gruftkapelle in der Kirche in Herborn.

Isabelle von Nassau-Diez mit dem Kreuz vom Orden der Treue (Porträt Lancelot Volders zugeschrieben. Wilhelmsturm, Dillenburg)

Mitgliederliste des Ordens der Treue (Königliche Sammlungen, Archiv Henriette Amalie, Prinzessin von Anhalt-Dessau, Inventarnr. A26a-1.)

Fürst Christian von Nassau-Dillenburg

Literatur

  • Im Königlichen Hausarchiv in Den Haag wird eine Mitgliederliste des Ordens der Treue verwahrt.
  • Marijke Bruggeman: Isabella Charlotte van Nassau-Dietz, in: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland (Digitales Frauenlexikon der Niederlande)
  • Dynastie. Portretten van Oranje-Nassau – Dynasty, portraits of the House of Orange-Nassau (Amsterdam 2016)
  • Klaus Eiler: »Henriette Amalie und ihre Töchter«, in: Simon Groenveld, Friedhelm Jürgensmeier (Hrsg.), Nassau-Diez und die Niederlande, Wiesbaden 2012, S. 171–186
  • Ernst Heusler: »Theodor Heusler aus Basel und die Anfänge der Isabellenhütte bei Dillenburg«, in: Nassauische Annalen Bd. 107 (1996), S. 141–148
  • Über 500 Jahre »Kupferhütte auf der Nanzenbach« – 275 Jahre Isabellenhütte Dillenburg – 175 Jahre Familienbesitz    Heusler– Die Isabellenhütte heute, Dillenburg 2003
  • J.A. van Zelm van Eldik: Moed en deugd. Ridderorden in Nederland. (Mut und Tugend. Ritterorden in den Niederlanden), 2003, S. 847–851