Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin, Deutschland

Kapitel 11 bis 15

Marie von Oranien (1642–1688), Mari oder Marike genannt, war das jüngste Kind aus der Ehe Friedrich Heinrichs und Amalies. Ihren Vater hat sie kaum gekannt; er starb, als sie gerade einmal vier Jahre alt war. Somit fiel ihrer Mutter die Aufgabe zu, einen standesgemäßen Bräutigam für sie zu finden. Aber das war leichter gesagt als getan. Die Oranier hatten nach dem plötzlichen Tod von Marikes Bruder Wilhelm II. im Jahr 1650 viel von ihrem Glanz und Einfluss eingebüßt.

Der Fortbestand der Oranierdynastie hing nicht nur einmal an einem seidenen Faden. Mehrmals fehlte ein »Reserveprinz«, lastete die Zukunft auf den Schultern eines einzelnen Oranierprinzen. So ist es auch bei Friso (1687–1711): der kinderlos verstorbene Statthalter und englische König Wilhelm III. macht ihn zu seinem Universalerben und damit auch zum Träger des Titels Prinz von Oranien. Doch verschiedene entfernte Verwandte melden Ansprüche auf das begehrte Erbe mit zahlreichen Gütern und Besitzungen an. Und so werden seine Mutter und er selbst in nicht enden wollende Prozesse und Verhandlungen verstrickt.

Was für ein Fest! Die Hochzeit der fünfzehnjährigen Herzogin Sophie (1592–1642) mit dem mehr als 18 Jahre älteren Grafen Ernst Casimir (1573–1632), Neffe von Prinz Moritz von Oranien, wird 1607 mit nie dagewesenem Prunk und Pomp gefeiert. Eben so, wie es einer Frau ihres Standes gebührt: ihr Onkel Christian ist König von Dänemark, ihre Tante Anna Königin von Schottland und ihre Tante Hedwig Kurfürstin von Sachsen.

Wer soll wen heiraten? Über diese Frage brütete man in den Fürstenfamilien vergangener Tage oft und viel. Denn bei einer Eheschließung stand nicht die Liebe im Vordergrund, sondern Geld und dynastische oder politische Interessen. Und der Wunsch nach einem (nach Möglichkeit männlichen) Erben, um so den Fortbestand der Dynastie zu sichern.